Kreislaufwirtschafts-Strategie: Besondere Anforderungen aus der Gesundheitsversorgung berücksichtigen

9 Jul

Spezifische Anforderungen aus der Gesundheitsversorgung wie sterile Einmalprodukte zum Infektionsschutz müssen bei der künftigen Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft berücksichtigt werden. Darauf weist der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) in seiner Stellungnahme zur Nationalen Kreislaufwirtschafts-Strategie (NKWS) hin. „Die in der NKWS vorgesehene Weiterentwicklung bestehender Regelungen für eine erweiterte Hersteller-Verantwortung sollte diese spezifischen Anforderungen an die Medizintechnik-Industrie, die sich aus der Versorgung von Patient:innen und dem Schutz des medizinischen Personals ergeben, berücksichtigen“, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll. Die ausführliche BVMed-Stellungnahme kann unter www.bvmed.de/positionen heruntergeladen werden.

Der deutsche MedTech-Verband unterstützt in seiner Stellungnahme das Ziel eines zirkulären Wirtschaftens und der Ressourcenschonung. Hier gebe es auch im Gesundheitssystem Handlungsbedarf, denn es produziere in Deutschland mehr als 5 Prozent der Treibhausgas-Emissionen. „Durch die Implementierung der sogenannten vier Rs (Reuse, Reduce, Repair und Recycle) können Emissionen reduziert werden.“, so der BVMed.

Dabei müssen laut BVMed die spezifischen Anforderungen an die Produkte, die sich aus der Gesundheitsversorgung der Menschen ergeben, berücksichtigt werden. So müssen aus Sicherheitsgründen teilweise Einwegprodukte verwendet werden, die auf gesonderte Weise durch medizinische Einrichtungen entsorgt werden. Dafür gebe es hohe Entsorgungsanforderungen – beispielsweise durch die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) – um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. „Diese Anforderungen sollten bei der Ausgestaltung der Kreislaufwirtschaftsstrategie mitberücksichtigt werden“, fordert der BVMed in seiner Stellungnahme. Daraus ergebe sich auch Änderungsbedarf bei abfallrechtlichen Vorgaben: „Potenziell infektiöses Material kann nur schwer bis gar nicht im Kreislauf gehalten werden. Um in Zukunft eine strukturierte sowie sichere Rückführung von Medizinprodukten zu ermöglichen, müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden“, heißt es in der Stellungnahme.

Ein weiteres Anliegen des Medizintechnik-Verbandes sind ausreichende Übergangszeiten für die MedTech-Branche. Um die Versorgung der Patient:innen mit Medizinprodukten kontinuierlich gewährleisten zu können, bedarf es aus BVMed-Sicht einer besonders sensiblen Güterabwägung. Eine Änderung eines Produkts, beispielsweise durch ein neues Ökodesign, ist durch die EU-Medizinprodukte-Verordnung streng reguliert. Bereits eine vermeintlich kleine Änderung am Bestandsportfolio ist enorm aufwendig und zeitintensiv. Ein Umstellungszeitraum – die Entwicklung, Registrierung und Validierung von Produkt- und Verpackungslösungen – beläuft sich in der Praxis meist auf mindestens 6 Jahre. „Es braucht praxisnahe und versorgungssichere Rahmenbedingungen, sodass es nicht zur Unterbrechung oder Engpässen in der Versorgung kommt. Insbesondere ist auf ausreichend Übergangszeiten für die Branche zu achten“, fordert der BVMed.

BVMed-Nachhaltigkeitsexpertin Clara Allonge: „Die MedTech-Branche ist sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und arbeitet bereits jetzt intensiv daran, die nachteiligen Auswirkungen ihrer Produkte in Bezug auf Mensch und Umwelt zu minimieren“. Eine erste Bestimmung des sozialen, ökologischen und ökonomischen Fußabdrucks der MedTech-Branche legte der BVMed bereits 2022 mit der SEE-Impact-Study vor. „Zudem können die Unternehmen der Medizintechnik-Branche auf der Grundlage des Muster-Kodex-Nachhaltigkeit des BVMed ihr Nachhaltigkeitsverständnis verdeutlichen“, so Allonge.

Weitere Informationen zu Umweltrecht- und Nachhaltigkeitsthemen gibt es im BVMed-Themenportal unter www.bvmed.de/nachhaltigkeit.

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