Neue FMEA macht sich bezahlt

23 Okt

Ganz neu ist der neue Ansatz der Fehler-Möglichkeits- und -Einfluss-Analyse (FMEA) nicht. Im Juni 2019 hatte der Arbeitskreis vom AIAG und VDA als FMEA-Handbuch eine Methodenbeschreibung abgeliefert, die Fachleute als kleine evolutionäre Sensation ansahen. Martin Werdich (FMEAplus Akademie) versucht durch einen Fachartikel in risknet.de, diesem neuen Ansatz mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Die neue FMEA hat die fünf Schritte des alten Ansatzes (Strukturanalyse, Funktionsanalyse, Fehleranalyse, Risikoanalyse und Optimierung) übernommen und um zwei erweitert. Der erste Schritt „Planung und Vorbereitung“ kam  neu hinzu und dient der Einschätzung und Eingrenzung des Analyseumfanges. Zweck, Zeitplan, Teamzusammensetzung, Aufgabenzuweisung und benötigte Werkzeuge werden festgelegt.

Dann folgt die Strukturanalyse, bei der der Betrachtungsumfang festgelegt wird. Diesen Part übernehmen die Lieferanten. Die Neuerung liegt in der Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Kunde sowie der Beschreibung des Prozessablaufdiagramms und des Boundary-Diagramms. Schritt drei – die Funktionsanalyse dient dazu, eine Übersicht über die Funktionen der Produkte und Prozesse zu erstellen. Die Verbindung zwischen den Teams ist ein weiterer Bestandteil der Analyse und bildet die Grundlage für die Fehleranalyse.

Die Fehleranalyse ist der vierte Schritt. Neben der Untersuchung von Ursache, Auswirkungen und Zusammenhängen werden hier auch die Zusammenhänge zwischen Prozess-FMEA und Design-FMEA beschrieben. Kunden und Lieferant stehen auch hier eng in Kontakt.

Die Risikoanalyse als Schritt fünf dient der Bewertung und Beschreibung weiterer Maßnahmen, um eine Ausgangsbasis für die Umsetzung zu schaffen. Die FMEA schafft die wenig aussagekräftige Risikoprioritätszahl (RPZ) ab und ersetzt sie durch die AP – Aufgabenpriorität. Diese Kennzahl unterteilt sich in drei Stufen – hohe, mittlere und niedrige Priorität. Bei hoher Priorität müssen Maßnahmen folgen. Das Ergebnis macht eindeutiger klar, wann dies notwendig ist und wann nicht.

In der Optimierung als sechstem Schritt sollen die unterschiedlichen Akteure – FMEA-Team, Management, Kunde und Hersteller – enger zusammenarbeiten. Die Maßnahmen werden umgesetzt und detailliert dokumentiert. Schritt 7, auch neu, beschreibt die Ergebnisdokumentation. Hier werden KVP-gemäß die Ergebnisse dokumentiert, um diese zur Optimierung späterer Projekte zu reflektieren.

MSR beschreibt die Monitoring- und Systemreaktion. Diese Methode bezieht die Sicht des Endnutzers in die Bewertung mit ein. d. h. die FMEA-MSR kümmert sich um einen sicheren Zustand für den Endnutzer und stellt fest, ob der Endnutzer einen möglichen Fehler erkennt oder nicht. Bedeutung, Häufigkeit und Monitoring werden auf einer Skala von eins bis zehn bewertet.

Die Umstellung auf die neue FMEA bedeutet einen Mehraufwand, so Autor Martin Werdich, bringe aber dann großen Nutzen und mache sich bezahlt.

Quelle