Homeoffice wird nicht Standard

27 Sep

Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland sieht in Remote-Arbeit keinen Ersatz für Präsenzarbeit. Der Homeoffice-Anteil wird bei 54 Prozent der Arbeitgeber nach dem Ende der Pandemie nicht über 30 Prozent steigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Potenzialanalyse Organisation x.0“ von Sopra Steria in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Allerdings können sich vor allem Banken und Versicherer einen größeren Anteil dezentraler Arbeit auf Dauer vorstellen.

Wirtschaft und öffentliche Verwaltung haben während der Pandemie viel in den organisatorischen Umbau investiert. Bei 84 Prozent der befragten Arbeitgeber ging es und geht es um die Integration von Homeoffice- und Remote-Arbeit in die Organisation. Meistgenanntes Ziel organisatorischer Umbauarbeiten war es, Arbeitsfähigkeit und Geschäftsbetrieb aus der Distanz aufrechtzuerhalten, so die Studie. 63 Prozent der Unternehmen und Behörden stellten beispielsweise Infrastruktur bereit, führten passende Software ein und schulten die Mitarbeitenden und Führungskräfte.

Das Arbeiten von zuhause oder unterwegs sowie virtuelle Events und Meetings werden kurz- bis mittelfristig allerdings den realen Kontakt mit Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern nicht ersetzen. Nur 46 Prozent der befragten Entscheiderinnen und Entscheider glauben daran, dass der Anteil von Remote-Arbeit dauerhaft über 30 Prozent liegen wird. Im März 2021 arbeiteten 32 Prozent der Beschäftigten teilweise oder dauerhaft im Homeoffice. In einzelnen Dienstleistungsbranchen lag der Anteil nach einer Erhebung des Erhebung des ifo Instituts bei rund 43 Prozent.

Speziell Finanzdienstleister werden ihren aufgebauten Remote-Arbeitsanteil beibehalten oder ausweiten. Jeder zweite Versicherer ist beispielsweise in der Lage, Kunden auch per Videochat zu beraten, ergibt der Branchenkompass Insurance von Sopra Steria. In der verarbeitenden Industrie und der öffentlichen Verwaltung sehen die Befragten Homeoffice dagegen mehrheitlich eher als Ausweichmöglichkeit denn als flächendeckende Alternative.

„Es ist nicht ratsam, das Rad vollkommen zurückzudrehen. Unternehmen und Behörden sollten schauen, dass sie nachhaltig von den Investitionen in dezentrale Arbeit profitieren“, warnt Martin Weisath, Leiter Digital Soul bei Sopra Steria Next, der Management-Consulting-Marke von Sopra Steria. Unternehmen und Behörden sollten vielmehr die Erfahrungen für künftige Hybridmodelle nutzen. In der Industrie setzt beispielsweise ein Umdenken ein. Unternehmen haben im Lockdown erkannt, dass sich selbst Arbeiten in der Produktion durch digitale Technologien wie Augmented Reality (AR) aus der Distanz erledigen lassen.

Mitarbeitende sollen Maschinen über AR-Brillen verstärkt auch von zuhause oder anderen Standorten aus steuern und überwachen können. „Es ist wichtig, den Reorganisationsimpuls der Pandemie bei den Arbeitsmodellen nicht isoliert zu betrachten, sondern mit einer Neuausrichtung der Geschäftsmodelle zu verknüpfen. Grundvoraussetzung für dezentrales Arbeiten ist beispielsweise, dass die Prozesse digitalisiert sind. Das bedeutet: Die Organisation gehört übergreifend auf den Prüfstand“, so Martin Weisath von Sopra Steria Next.

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